Let’s squeeze!

Ein sattes Plus von 6% stand vor einer Woche abends auf dem DAX Kurszettel. Damit wurden wohl viele überrascht und man kann durchaus schon von einem kleinen Short Squeeze sprechen. Wenn wir uns mal den Kursverlauf der Vorwoche anschauen, dann erkennen wir eins: Fallende Kurse an fast jedem Tag. Was muss gegeben sein damit Kurse fallen? Richtig, es muss mehr Angebot als Nachfrage geben. Heißt also dass mehr verkauft als gekauft wurde. Das kann auch, aber nicht nur, durch Leerverkäufe passieren. Short gehen: Man leiht sich eine Aktie (oder ein Derivat) vom Broker und gibt es später zu einem günstigeren Preis zurück. Die Differenz ist der Gewinn. Für viele ein Teufelszeug, aber gerade das sorgt zuweilen für stark steigende Kurse. Paradox? Mitnichten! Tatsächlich ist das elementare Orderbuch-Mechanik. Hier erstmal der Verlauf der vorletzten Woche, vom 11.5. bis 15.5. :

Wir sehen dass der Kurs fast jeden Tag gefallen ist. Angenommen wir sind jetzt an einem Short-Trade interessiert, setzen also auf fallende Kurse. Und nehmen wir weiter an dass wir nicht völlig verrückt sind und daher unsere Spekulation mit einer Verlustbegrenzung, einer Stop Loss Order, absichern. Wo würden diese dann sinnigerweise liegen? Exkurs: Das unterliegt der jeweils eigenen Handelslogik. Dabei ist aber wichtig zu unterscheiden dass ein weit weg liegender Stop Loss nicht zwangsläufig mehr Risiko bedeutet. Als Stichwort sei hier R-Multiple genannt. Wenn ich jedesmal 1% meines Kontos pro Trade riskiere, dann kann ich ja anhand des Einstiegs- und des Stopp-Kurses meine Positionsgröße berechnen. #HeiligerGralDesTradings

Jedenfalls nehme ich jetzt einmal an dass die meisten den Stop Loss über das letzte lokale Hoch gelegt haben. Dabei habe ich mir ein paar markante, meinem Beispiel dienende, Stellen rausgesucht. Natürlich finden zu jeder dargestellten 5 Minuten Kerze Trades statt, aber das ist nahezu unmöglich einzuzeichnen.

Die kurzen roten Linien im nachfolgenden Chart sollen diese Stop Loss Orders darstellen. Dort könne jemand, der zum Zeitpunkt der Linie short geht, seinen Stop Loss hinlegen. Der Fortgeschrittene wird auch noch das Volumen mit in die Betrachtung nehmen, aber das lassen wir heute außen vor. Es fällt auf dass manchmal ein Stop Loss bereits gerissen wurde, beispielsweise direkt am 11.5. zum Börsenschluss. Die letzte Aufwärtsbewegung hat, in unserem Szenario, das vorherige Stop Level erreicht.

Nun hatte ich ja schon in einem anderen Artikel mal drüber gesprochen dass das Ausführen einer Stop Loss Order meine offene Position glattstellt. Habe ich also eine Aktie im Depot, dann sorgt mein Stop Loss dafür dass diese eine verkauft wird und ich bei 0 bin. Flat, in der Börsensprache. Habe ich eine Aktie leerverkauft bin ich ja bei -1 und um wieder auf 0 zu kommen, muss ich eine kaufen. Also sorgt der Stop Loss bei Short Positionen dafür, dass ich eine Aktie kaufe (um auf 0 zu kommen).

Wenn wir uns also die ganzen Stop Loss orders anschauen, dann bedeutet das nichts anderes als das an diesen Punkten Aktien gekauft werden müssen (!) , nämlich um Verluste zu begrenzen und schlimmeres zu verhindern. Je nachdem wie markant die Stelle ist und auch welche Zeiteinheit betrachtet wird, desto wertiger, oder gewichtiger, ist die Stelle. Ein Hochpunkt auf dem oben gezeigten 5 Minuten Chart hat aus verständlichen Gründen nicht soviele Stop Orders vorliegen wie ein Hochpunkt auf dem Stunden- oder Tageschart. Aber zurück zu unserem Beispiel. So ist jedenfalls die letzte Woche verlaufen und was passiert dann plötzlich letzen Montag? Wie bereits gesagt ballert der DAX nach oben. Schauen wir uns den Chart an!

Obacht: Eine Stop Loss Order heißt nicht „Ich will hier verkaufen“ bzw „kaufen“, sondern das heißt nur: Wenn diese Marke erreicht wird, dann erstelle eine Market Order und führe mich bestens oder billigst aus, je nachdem.

Heißt also dass nahezu alle Stop Loss Kurse der vergangenen 3 Handelstage direkt zur Börseneröffnung am Montag ausgeführt wurden! Nicht unten, wo die Linien waren, sondern oben, zur Eröffnung am Montag morgen (natürlich unterstellen wir hier dass die ganzen Positionen über das Wochenende offen gehalten wurden, was bestimmt nicht jeder gemacht hat, aus offensichtlichen Gründen – sonst wäre der Anstieg noch heftiger geworden). Das führt also dazu dass am Montag morgen massive Kauf-Orders ausgeführt werden, die ganzen Verlustbegrenzungen. Und all diejenigen, die keinen Stop Loss gesetzt haben, werden nun panisch auf „schließen“ bzw. „kaufen“ hämmern um den Verlust noch irgendwie zu begrenzen, sofern man davon überhaupt sprechen kann, denn auch diejenigen, die einen Stop Loss gesetzt haben, sind auch völlig überrannt worden. Die ganzen Kauforders werden also ausgeführt (in einem liquiden Titel ist das ja kein Problem, extreme Vorsicht bei Penny Stocks etc!). und treiben den Kurs ganz natürlich in die Höhe. Doch damit nicht genug!

Dadurch, dass der Kurs immer weiter hochgetrieben wird, reißt er weitere, länger zurückliegende Stop Loss Orders mit sich, wie eine Lawine. Die werden ausgeführt und es kommt weitere Kaufkraft in den Markt. Und so wurden bis zum Ende des Tages ALLE Stop Loss Orders mitgerissen die eine Woche lang in den Markt gelegt wurden.

Aber moment, wenn ich doch sage dass sich das immer weiter hochschaukelt, warum ist dann der DAX nicht direkt weiter angestiegen, nach dem Kraftakt am Montag?

Nun, der Grund ist einfach: Es gibt sicher auch nicht wenige Trader die diesen Aufwärtstrend mitgenommen haben. Also auf steigende Kurse gesetzt haben, der ewige Kampf zwischen Bullen und Bären. Und die werden nach so einem massiven Anstieg erstmal Kasse machen – wozu was riskieren? Wie gesagt, das glattstellen einer Long Position ist was? Richtig, ein Verkauf. Aber schon am Mittwoch ging es dann weiter, am Donnerstag nochmal deutlich bergab und Freitag erneut richtung Norden. Stichwort Akkumulationsphase, doch das ist ein Thema für einen weiteren Artikel.

Es war ganz interessant mal diesen Short Squeeze zu sehen, auch wenn davon sicherlich nur wenige profitiert haben. Denn voraussehen konnte man den nicht, aber das ist das Risiko wenn man eine Position über das Wochenende hält. Und warum eigentlich „Short Squeeze“? Nun, weil die ganzen „Shorties“ im Grunde aus dem Markt gequetscht werden – die haben gar keine andere Wahl als die Verluste zu begrenzen (merke: es sind die Big Player die die Kurse deutlich bewegen und die können sich keine Millionen/Milliarden Verluste erlauben).

Sowas passiert nicht alle Tage und wenn es denn mal passiert, dann steht man hoffentlich auf der richtigen Seite! Wer nochmal einen Short Squeeze erster Güte sehen möchte, der schaut sich den Kurs der Volkswagen AG (Stammaktien, nicht Vorzüge, Ticker VOW) im Oktober 2008 an – ähnliches passierte da und katapultierte den Börsenwert von Volkswagen mal eben in ungeahnte Höhen und Sphären. Hier noch ein Teaser, bis zum nächsten mal 🙂